Schreiben
Prosopon
Anna Felnhofer
Ein siebenjähriger Junge liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und ringt nach einer letzten Operation um sein Leben. Wie es zu diesem Unfall kommen konnte und welche Rolle sein Vater Jakob und dessen Gesichtsblindheit (Prosopagnosie), die schon einmal für den Tod eines Menschen verantwortlich zeichnete, dabei spielen, ist auch Monate nach dem Vorfall noch Gegenstand behördlicher Ermittlungen. Der Mutter und Ich-Erzählerin bleibt einstweilen nur, sich selbst auf die Suche nach Antworten zu begeben. Aus Bruchstücken versucht sie Jakobs Leben zu rekonstruieren, um zu erfahren, welche Verantwortung er für den Unfall des Jungen trägt und sie stößt dabei auf ein Leben ohne Kontinuität, ohne Verbindlichkeiten, ohne Halt, als immer andere Person.
Nach ihrem viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Debüt Schnittbild legt Anna Felnhofer ihren zweiten Roman Prosopon vor, ein sensibles und vorsichtiges Erkunden, ein poetisches und sprachmächtiges Kreisen um Verlust und Identität.
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Erscheinungstermin: 12.03.2026
Hardcover, ca. 12,8 * 20,8 cm, 259 Seiten
ISBN 978-3-903422-73-5
€ 24,00
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Rezensionen
Mit „Prosopon“ hat die österreichische Psychologin Anna Felnhofer einen analytisch brillanten, dramaturgisch bezwingend gebauten und schmerzlichen Roman vorgelegt.
— Kirsten Voigt, TAZ
Die Sprache, bald nüchtern-präzise, bald von bildhafter Wucht, bewegt sich stets auf der Höhe der intellektuellen Anstrengung, die sich mitunter in der Liebe zu Rätseln äußert: „Es empört sich ein Fisch, der gefangen werden will, über die Unzuverlässigkeit der Netze“, lautet eines der Leitmotive des Textes, das sich auf den Helden, aber auch auf die untauglichen Mechanismen der Identitätsfeststellung beziehen lässt – zumal das Recht auf das eigene Gesicht sich heute dank KI als totes erweist.
— Daniela Strigl, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Anna Felnhofer hat auf beeindruckende Weise das passende literarische Verfahren für eine faszinierende Figur gefunden [...]. Prosopon ist ein mehrfach in sich gebrochener Bericht, der uns in einer sorgsam komponierten Form stets neue Interpretationen seiner selbst anbietet.
— Nora Karches, Deutschlandunk
Prosopon“ ist so klug wie berührend, in feiner Balance zwischen Distanz und Nähe zu den Figuren.
— Veronika Schuchter, Die Furche
Spätestens seit Franz Kafkas Brief an seinen Jugendfreund Oskar Pollak wissen wir, dass "wir überhaupt nur die Bücher lesen [sollten], die einen beißen und stechen". Prosopon zählt zweifellos zu diesen Büchern. Wie die 1984 in Wien geborene Autorin mit glasklarer Prosa gleichermaßen verdichtete wie verstörende Bilderwelten erzeugt, ist höchst bemerkenswert und von seltener Güte.
— Josef Bichler, Der Standard
Sprachlich ist dieser Roman […] von enormer Kraft und atmosphärischer Dichte, psychologisch fein gewoben offenbart er nicht nur die Gefühlswelt des Vaters, sondern zeigt auch, was diese sogenannte Gesichtsblindheit mit dem Umfeld der betroffenen Person macht. […] Anna Felnhofer vermittelt ihre Erkundungen in einer so dichten wie poetischen Sprache, dass man dieses Buch nicht aus der Hand legen möchte.
— Katharina Hirschmann, Ö1 Ex Libris
Man bekommt mit diesem Roman eine Ahnung von einem Defekt der Signalverarbeitung im Gehirn, der es für die Betroffenen extrem
schwer macht, gute Beziehungen zu anderen zu haben. Das erinnert an die Romane von Thomas Melle, die von den Auswirkungen
einer bipolaren Störung erzählen. Leben kann eine Zumutung sein.
— Cornelia Geißler, Berliner Zeitung
Dabei bestechen Felnhofers präzise, bildhafte Sprache, mit der sie ihr komplexes Thema entwickelt, und das lustvolle Spiel mit Alliterationen in ihrem atmosphärisch dichten, souverän erzählten Roman.
— Monika Vasik, Die Presse
"Prosopon" ist daher keine einfach nacherzählte Lebensgeschichte [...]. Felnhofer schafft damit wohl nicht absichtslos auch in der Lektüreerfahrung ein Abbild dessen, wovon sie erzählt: Wie geht Verbindlichkeit ohne Vertrauen, wie geht Orientierung ohne feste Anhaltspunkte?
— Wolfgang Huber-Lang, APA/ NEWS
Ihr Roman „Prosopon“ ist ein verstörendes Meisterwerk.
— Heinz Sichrovsky, NEWS
Schuld, Verantwortung und die Frage des (Er-)Kennes behandelt dieses wuchtige Prosawerk.
— Sylvia Treudl, Buchkultur
Felnhofer schreibt all dies in einem souveränen Stil, der gekonnt starke Bilder zeichnet, um psychische Abgründe auszuleuchten. Es entsteht so ein Panorama von Fremdheiten – hinsichtlich der Beziehung zu sich selbst wie zu anderen.
— Alexander Peer, Literaturhaus Wien
Stimmen zum Buch
Eminent interessant, eminent gut komponiert, gebaut wie ein Spiegelkabinett, weil der Spiegel eine zentrale Rolle hat.
— Kirsten Voigt, SWR Bestenliste
Felnhofer erzählt davon, wie jemand, der keine eigene Identität und kein Verhältnis zu sich selbst aufbauen kann, auch im familiären Kontext scheitert. Und das kann, wie der Roman von Beginn an nicht verheimlicht, zu Katastrophen führen.
— SWR Bestenliste Mai 2026
Anschaulich beschreibt Felnhofer, wie belastend die Störung nicht nur für Betroffene, sondern auch für deren soziales Umfeld sein kann. Mit „Prosopon“ legt sie einen weiteren wissenschaftlich fundierten und einfühlsamen Roman vor.
— ORF Bestenliste Mai 2026
Ein ungewöhnliches Thema, das uns hier mit Felnhofers außergewöhnlicher Sprache als sehr besonderes Buch vorliegt.
— Katia Schwingshandl, Superfly Buchkultur
Wissenschaftlich fundiert und mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt Prosopon das Leben mit einer kognitiven Störung.
— Allegra Mercedes Priker, ZIB ORF2
Am Ende setzen sich Johannas mögliche Anfänge zu einem komplexen, aufwühlenden Romanmosaik zusammen, das eindrucksvoll vor Augen führt, wie fraglil zwischenmenschliche Beziehungen werden, sobald die erwartbare Stabilität und Zuverlässigkeit schwindet.
— Judith Hoffmann, Ö1 Morgenjournal
